"Die Schule ist ein Gemeinschaftswerk aller Beteiligten, die mit- und füreinander Verantwortung
übernehmen: Die Schule als „Polis“. Die Pädagoginnen und Pädagogen, die Schülerinnen
und Schüler, die Eltern, die Kommune mit ihren Möglichkeiten und auch außerschulische
Institutionen wirken zusammen, um mit dem Anspruch „Wir dürfen kein Kind verlieren“
Ernst zu machen. Sie handeln nach dem Grundsatz: Zuerst und vor allem kommt es
darauf an, dass es den Kindern und Jugendlichen in der Schule an Leib und Seele gut geht.

Das beginnt mit scheinbaren „Kleinigkeiten“, die aber bald als Standards gelten: ein gutes,
nahrhaftes Frühstück oder Mittagessen, ein Gesundheits- und Beratungsdienst, ein flexibler,
den Bedürfnissen der Kinder angepasster Tagesrhythmus, gute Möbel, Ausstattung der Schule
mit vielfachen Lerngelegenheiten, Ausstattung der Klassen und Arbeitsplätze mit handlichen,
anregenden, gut geordneten Materialien, genügend Platz zum Lernen, Spielen und
Bewegen.
Zum Kern der Entwicklungsarbeit wird die Neugestaltung des Unterrichts und der Lernangebote.
Die Vorgabe ist: Lernen muss - auch bei aller unverzichtbaren Mühe und Anstrengung
- Freude machen, mit Anschauung und Erfahrung verbunden sein, geschieht am besten
in der Auseinandersetzung mit bedeutsamen Gegenständen und findet darum oft auch
außerhalb der Schule statt. Bewährung und Ernstfall gehören ebenso dazu wie Belehrung
und systematisches Üben. Die Schule stellt hohe Anforderung an alle Beteiligten und bietet
zugleich vielfältige Unterstützung.
Die Schule ist einladend, freundlich und anregend gestaltet, ein Ort, an dem Kinder den
ganzen Tag über gern und gut leben und lernen können. Niemand wird beschämt, niemand
muss sich als Versager fühlen. Darum ist das Sitzenbleiben abgeschafft, der Unterricht ganz
darauf ausgerichtet, der Unterschiedlichkeit der Kinder gerecht zu werden. Die Schule hat
deshalb neue Formen der Leistungsbegleitung und -bewertung entwickelt: verpflichtende Beratungsgespräche,
Lernvereinbarungen, Portfolios.
Die Schule arbeitet selbstständig und eigenverantwortlich; so wird ihre ganze pädagogische
Kreativität freigesetzt. Die starren Jahrgangsklassen sind durch flexible Lernformen und
Lerngruppen ersetzt worden: An dieser Schule ist es beispielsweise normal, dass Zwölf- und
Vierzehnjährige zusammen Englisch lernen oder im Labor experimentieren können.
Haupt- und Nebenfächer gibt es an dieser Schule nicht: Theater, Handwerk, Musik oder
Religion gelten als ebenso wichtig wie Englisch oder Mathematik. Der Umgang mit Sprache
und Literatur ist nicht auf das Fach Deutsch beschränkt, sondern Aufgabe aller Fächer.
Tests werden als diagnostische Hilfsmittel genutzt.
Die Schule arbeitet eng mit einem wissenschaftlichen Institut oder anderen Experten zusammen;
gemeinsam wird beraten und beschlossen, wie Lernprozesse beobachtet und evaluiert
werden können. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler werden nach dem individuellen
Lernfortschritt bewertet. Als Orientierungsrahmen dienen fachliche Mindeststandards,
die die Stufen des Lernens abbilden und an denen sich zeigen lässt, was bereits erreicht
wurde. Am Ende der Schullaufbahn wird an Beispielleistungen aus allen Bereichen nachgewiesen,
was ein Schüler/eine Schülerin gelernt hat und kann. Dieses Leistungsportfolio
schließt den Nachweis elementarer, von allen verlangter und erreichbarer Grundkenntnisse
und Kompetenzen ein. Ein verzweigtes, früh greifendes Unterstützungssystem sorgt dafür,
dass alle Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs diese Grundkenntnisse nachweisen können.
Sie verlassen die Schule mit einem Zeugnis, das von den abnehmenden Einrichtungen
als Anschlussnachweis zu lesen ist und eine Übersicht über das gesamte Leistungsprofil enthält."

aus der Erklärung von Hofgeismar:
Schule ist unsere Sache – ein Appell an die Öffentlichkeit (2006)
Quelle: Erklärung von Hofgeismar (14. November 2006)

Schulverbund „Blick über den Zaun“
In dem Netzwerk „Blick über den Zaun“ sind bundesweit 54 sehr unterschiedliche
Schulen aller Schularten in staatlicher wie in freier Trägerschaft zusammengeschlossen.

»Blick über den Zaun«:
ist ein Verbund reformpädagogisch engagierter Schulen, der seit 1989 besteht. Er will durch regelmäßige wechselseitige Besuche ("peer reviews"), durch Tagungen und das Anwerben weiterer Schulen dazu beitragen, dass Schulen im direkten Erfahrungsaustausch voneinander lernen: einander anregen, ermutigen, unterstützen.