Wormser Ethik-Initiative am 4. Februar 2011
im Wormser Heylsschlösschen

Statement von Dr.-Ing. Markus Mönig, Geschäftsführer
RWE Energiedienstleistungen GmbH, Dortmund

Verehrte Damen, sehr geehrte Herren,

lassen Sie mich ganz generell zunächst ein paar Hinweise geben zur Frage der Wirtschaftsethik in Unternehmen im Allgemeinen, bevor ich dann auf die Frage von „Ethik und Energie“ näher eingehe.

Es ist meine Grundüberzeugung, dass die Wirtschaft für den Menschen da ist und nicht umgekehrt. Alles Wirtschaften hat sich dem Menschen unterzuordnen. Bei manchen Auswüchsen in der Vergangenheit konnte man mitunter den Eindruck bekommen, dass die Menschen für die Wirtschaft lediglich als Produktions- und Kostenfaktor angesehen werden. Betriebswirtschaftlich mag das durchaus richtig sein; als Mensch und Christ füge ich hinzu, dass alles Wirtschaften auf den Menschen hin bezogen sein muss. Das ist Ausdruck seiner unveräußerlichen personalen Würde und wird durch die Prinzipien von Solidarität und Subsidiarität, die beispielsweise in der katholischen Soziallehre und der evangelischen Sozialethik ihren Ausdruck finden, ergänzt.

In der modernen Unternehmensführung gibt es zwei Schlüsselbegriffe, die das Thema „Ethik in Unternehmen“ exemplifizieren: 1. Corporate Governance und 2. Corporate Social Responsibility. Beide hängen ursächlich miteinander zusammen und bedingen einander.

Corporate Governance oder Good Corporate Governance, also gute Unternehmensführung, kann dabei grundsätzlich als die Gesamtheit der organisatorischen und inhaltlichen Ausgestaltung der Führung und Überwachung von Unternehmen verstanden werden. Im Zusammenhang mit unserem Thema von besonderer Relevanz ist dabei der angemessene Umgang mit Risiken und die Orientierung an langfristiger, das heißt nachhaltiger Wertschöpfung. Corporate Governance ist dabei sehr vielschichtig und umfasst gesetzlich geregelte, genauso wie freiwillige Maßnahmen zur Optimierung der Unternehmensführung. Entscheidend dabei ist der Aspekt der persönlichen Verantwortung für konkrete Führungsmaßnahmen, durchaus berechtigt wäre sogar, den Begriff „Verantwortungsethik“ in diesem Zusammenhang anzuwenden.

Der zweite Begriff, der uns im Zusammenhang unseres Themas interessieren sollte, ist Corporate Social Responsibility, also die soziale Verpflichtung quasi von Unternehmen gegenüber der Gesellschaft und Gemeinschaft von Menschen, in die sie eingebunden sind. Das betrifft die Belegschaft eines Unternehmens genauso wie Kommunen oder die gesamte Gesellschaft eines Landes. Generell umschreibt der Begriff den freiwilligen Beitrag der Wirtschaft zu einer nachhaltigen Entwicklung, die über die Aspekte von Compliance hinausreichen.

Die Frage der Nachhaltigkeit am besten deutlich macht das Drei-Säulen-Modell: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Erst im Zusammenwirken dieser drei Säulen kann im unternehmerischen Verständnis so etwas wie Nachhaltigkeit als Wert an sich realisiert werden. Unstrittig freilich ist dabei auch, dass diese drei Komponenten notwendigerweise in einem Spannungsfeld zueinander stehen und immer wieder neu aufeinander justiert werden müssen. Erst im konkreten Einzelfall zeigt sich in der Regel, wie die Wertehierarchie innerhalb dieses Drei-Säulen-Modells aussieht. Und ich zögere nicht, einzuräumen, dass der ökonomische Aspekt per definitionem in einem Wirtschaftsunternehmen notwendig immer eine essentielle Bedeutung haben muss.

Kommen wir zum Thema „Energie und Ethik“.

In einer Industrie, die zu einem erheblichen Teil existenziell für den Wohlstand eines Landes ist, kann gegen die Grundüberzeugungen eines Großteils der Gesellschaft und der Politik keine Unternehmung erfolgreich sein. Eine dieser Grundüberzeugungen ist die Reduktion von CO 2 bei der Energieerzeugung.

Dabei geht es zunächst nicht zuletzt um eine Reduktion von CO 2 -Emissionen durch unsere eigenen Kraftwerke. Das ist zweifellos ein komplexes Thema; Fakt ist aber, dass RWE alles daran setzt, umweltverträglich Energie zu erzeugen. Dies unter Einsatz auch von enormen finanziellen Mitteln. Umweltfreundliche Energie und umweltfreundliche Energieversorgung stehen für uns schon längst auf der Agenda unternehmerischen Handelns. Damit nähern wir uns unserem eigentlichen Thema – der Frage von Energie und Ethik und deren Umsetzbarkeit nämlich auf den Lehrplänen von Schulen.

Erinnern Sie sich? Vor wenigen Jahren noch haben wir unseren Müll in ein und denselben Container geworfen. Heute zelebrieren wir alle mit großer Gelassenheit und mit großer Selbstverständlichkeit „Mülltrennung“. Insofern ist die Frage von Energie und Ethik eine Frage praktischen Handelns, eine Frage der Einstellung, eine Frage des Bewusstseins. Effizienter Umgang mit Energie lässt sich lernen. Wie kaum ein anderes Wirtschaftsgut kann man am Beispiel „Energie“ deutlich machen, wie mit geringst möglichem Aufwand Energie gespart und zugleich der Umwelt werden genutzt kann. Das fängt beim Be- und Entlüften von Immobilien an und endet beim Ausschalten des Standby-Modus am Fernsehgerät. Ethik in diesem Sinne bewegt sich nicht in den schwindelerregenden Höhen der Metaphysik, sondern ist konkreter physikalischer Alltag. Und genau da müssen wir bei unserem gemeinsamen Nachdenken ansetzen.

 

Dr.-Ing. Markus Mönig, Geschäftsführer
RWE Energiedienstleistungen GmbH, Dortmund

 

>> Impuls-Referat ENERGIE UND ETHIK. Kurt E. Becker

www.ethikinitiative.de


Wormser Ethik Initiative
>>Startseite