»Ohne Nachhaltigkeit keine Zukunft.«
Dr. Kurt E. Becker

Arbeitspapier Nachhaltigkeit

Arbeitspapier Gründung

Impulsvortrag
Bindung, Prägung, Moral

Impulsvortrag
Charisma des Erziehers

Wormser Ethik-Charta
für Nachhaltigkeit in der Erziehung

Impulsvortrag
Individuation und Sozialisation

Vortrag
Ethik im Wirtschaftsleben

Vortrag
Prometheus oder
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Vortrag
Energie und Ethik

Vortrag
Energie-Ethik
Dr. Markus Mönig

Erklärung von Hofgeismar:
Schule ist unsere Sache – ein Appell an die Öffentlichkeit (2006)

Erklärung von Salamanca:
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Hartmut von Hentigs Streitschrift
"Über eine Erziehung für das 21. Jahrhundert"
trägt den Titel
»Ach, die Werte!«

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WormserEthikInitiative

Wormser Ethikinitiative
Andreasstift-Gespräch am 30. November 2012

Ursula Hartmann:

Laudatio für Pia Müller anlässlich der Verleihung
des ALISA-Preises für vorbildliches Handeln

Sehr geehrte Gäste, sehr geehrte Schirmherrin des ALISA-Preises bzw. liebe Frau Lang, liebe Jurorinnen und Juroren, liebe Pia!
Ich habe am heutigen Abend die Ehre, Dir, liebe Pia, Deinen Eltern und Deinem Bruder sowie allen Anwesenden Dein beispielhaftes soziales Engagement, für das Du mit dem ALISA-Preis geehrt werden sollst, in Form einer Laudatio, also einer Lobesrede, näherzubringen. Nichts lieber als das! Diejenigen, die Dich bereits kennen, wissen sicherlich, was gemeint ist, und alle anderen dürfen sich darauf freuen heute Abend eine ganz besondere junge Frau kennenzulernen.
Du bist seit der fünften Klasse Schülerin des Rudi-Stephan-Gymnasiums und stehst mittlerweile ein gutes Jahr vor Deiner Abiturprüfung. Doch ging es Dir in Deiner Schullaufbahn nicht ausschließlich um Wissenserwerb und um Deine eigenen Noten, sondern immer auch um ein gutes Miteinander innerhalb der Schulgemeinschaft.
Das Rudi-Stephan-Gymnasium hat  - wie andere Schulen auch - ein Leitbild, welches die Prinzipien und Werte, man könnte auch sagen die Tugenden, die unser aller Handeln bestimmen sollen, in Worte fasst. Doch was wären diese Worte ohne Menschen aus Fleisch und Blut, Menschen wie Pia, die diese zunächst abstrakten Vorstellungen mit Leben füllen? Menschen wie Du können für andere Vorbild sein.
Das, was für die Leitbilder einzelner gesellschaftlicher Einrichtungen Gültigkeit besitzt, lässt sich durchaus auch auf die – wie es so schön heißt - freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Gesamt-gesellschaft übertragen. Für unsere Schülerinnen und Schüler ist die Schule in gewisser Weise ein Spiegel der Gesellschaft und die Erfahrungen, die sie hier machen, sind oft prägend für ihr gesamtes weiteres Leben.
Natürlich gibt es an Schulen – wie überall, wo Menschen zusammen leben und arbeiten – Konkurrenz, Leistungsdruck und Lästereien. Die Frage ist nur, wie gehen wir als Schüler, Eltern und Lehrer damit um? Wenn Kinder die Erfahrung machen, dass „der Stärkere gewinnt“, führt dies häufig zu Rückzug und Angst oder aber zu einer aktiven Beteiligung an Ausgrenzung und Mobbing – oftmals einfach nur, damit man selbst nicht in die Schusslinie gerät.
Und wenn einzelne Kinder und Jugendliche dennoch den Mut haben, ihre Probleme offen anzusprechen und mit Worten wie „Stell Dich nicht so an“, „ein bisschen Mobbing hat noch keinem geschadet“ oder gar „das ist doch Deine eigene Schuld“ abgewiesen werden, dann verlieren sie womöglich das Vertrauen in Institutionen wie Kindergarten und Schule bzw. in unsere Zivilgesellschaft insgesamt.
Gegenseitiger Respekt, Wertschätzung und die Übernahme von Verantwortung für das eigene Handeln sowie für die Gruppe, der ich angehöre, sind unabdingbare Voraussetzungen für ein gelingendes und gewinnbringendes Zusammenleben und –arbeiten nicht nur in Schulen, sondern auch in Behörden und Wirtschaftsunternehmen. Diese Haltung einzunehmen und danach zu handeln ist jeden Tag aufs Neue Aufgabe jeder und jedes einzelnen von uns.
In meinen Augen ist es zudem ein zentraler Aspekt in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen und dazu braucht es Vorbilder. Es braucht Vorbilder aus dem eigenen Umfeld, die immer aufs Neue Orientierung bieten können und einen Gegenentwurf bilden zu abstrakten, medial transportierten Idealen aus einer nahezu unwirklichen Glitzerwelt.
Neben Vorbildern braucht es für Kinder und Jugendliche zudem den Freiraum, um eigene Ideen und Wünsche umsetzen und somit das eigene Lebensumfeld ein Stück weit mitgestalten zu können. Kinder und Jugendliche, die diese Möglichkeit haben, erleben sich als selbstwirksam, d.h. sie machen die Erfahrung, dass sie Dinge bewegen und zum Positiven verändern können.
Und  dies ist Dir, Pia, gemeinsam mit anderen auf eindrucksvolle Weise gelungen. Manche von Ihnen, verehrte Damen und Herren, werden sich jetzt fragen „Was hat sie denn da eigentlich genau gemacht?“. Ich möchte versuchen, diese Frage möglichst präzise und gleichzeitig nicht allzu ausführlich zu beantworten.
Pia ist seit vier Jahren federführend in der Schülerstreitschlichtung am Rudi-Stephan-Gymnasium, welche im laufenden Schuljahr in das Schülercoach-System übergegangen ist, tätig. Darüber hinaus hilft sie bei der Betreuung von Kindern im ALISA-Zentrum und leitet eine Jugendgruppe in ihrer Kirchengemeinde. All diesen Tätigkeiten zugrunde liegt Pias Wunsch, Kinder und Jugendliche in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit zu fördern und zu unterstützen.
Pias Grundhaltung anderen gegenüber lässt sich m. E. beschreiben als offen, wertschätzend und emphatisch sowie getragen von der Bereitschaft, Menschen und Sachverhalte zunächst einmal so anzunehmen wie sie sind – und zwar ohne sie gleich beurteilen zu wollen. Der international bekannte Psychologe und Begründer des Modells der „Gewaltfreien Kommunikation“ Marshall B. Rosenberg hat dazu Folgendes gesagt: „Urteile sind tragische Ausdrücke von Bedürfnissen.“ Diese Worte dürfen wir alle einmal auf uns wirken lassen.
Welche Handlungsmöglichkeiten ergeben sich nun aus einer solchen Haltung? Im Rahmen der Schule hat sich Pia zunächst für die Schülerstreitschlichtung entschieden. Das Verfahren der Mediation, d.h. Vermittlung zwischen Konfliktparteien, verlangt von den Streitschlichterinnen und Streitschlichtern ein hohes Maß an Selbstreflexion sowie praktische Kenntnisse und Fertigkeiten in den Bereichen aktives Zuhören, Ich-Botschaften, Umgang mit Gefühlen und nonverbale Kommunikation. Dabei geht es um eine Art „Detektivarbeit“ in Bezug auf die verdeckten Gründe für einen sichtbaren Konflikt. Diesen kann man sich als die Spitze eines Eisberges vorstellen - die Grundlage ist allerdings unter der Wasseroberfläche verborgen.
Das zentrale Anliegen der Streitschlichtung besteht darin, den Streitenden zu ihrer eigenen Lösung zu verhelfen – auch hier müssen sich die Streitschlichter sehr gut im Griff haben. Ihre Aufgabe beschränkt sich darauf, Hilfestellung zu leisten – die Lösungsvorschläge kommen von den Konfliktparteien selbst. Mit anderen Worten: die Streitschlichter trauen den Streitenden zu, die besten Experten für ihren Konflikt zu sein und selbst eine Lösung finden zu können. Sie respektieren die Aussagen jedes Einzelnen, auch wenn sie manchmal widersprüchlich sind. Denn: „Die Wahrheit ist selten so oder so. Meistens ist sie so und so.“ (Dieses Zitat stammt zur Abwechslung von einer Frau – Geraldine Chaplin.)
Mit der Streitschlichtung gibt es allerdings auch ein Problem: man braucht zwei Konfliktparteien, die gemeinsam eine Lösung finden wollen. Im wahren Leben kommt aber oftmals nur einer – und häufig geht es nicht nur um einen kleinen Streit, sondern um ein größeres Problem. Hier hat Pia aktiv nach einer Lösung gesucht – und mit dem Schülercoach-Modell auch gefunden. Die Schülercoaches kümmern sich um ganze Klassen, führen Umfragen zum Klassenklima und Spielenachmittage durch und bieten einzelnen Schülerinnen und Schülern, die sich mit einem Anliegen an sie wenden, ein Coaching in sogenannten reflektierenden Teams an.
Es ist Pias ganz besonderes Verdienst, dass sie das Schülercoach-System mit Hilfe eines eigens dafür gedrehten Films, eines Vortrags bei der Schuljahreseröffnungskonferenz und eines Artikels für die Humanitas, unsere Schulzeitung, bekannt gemacht hat.
Darüber hinaus ist es mir ganz wichtig zu sagen, dass Du Dich über die ganzen Jahre hinweg sehr intensiv und einfühlsam um die Dir anvertrauten jüngeren Schülerinnen und Schüler gekümmert hast. Egal ob Arbeiten geschrieben wurden, Deine Freundinnen in andere Arbeitsgemeinschaften wechselten oder aus Zeitmangel mal wieder Chaos herrschte – auf Dich war immer Verlass – und das wissen Schüler und Lehrer gleichermaßen zu schätzen. Den Kindern und Jugendlichen begegnest Du stets vorurteilsfrei und auf Augenhöhe – bei Dir fühlen sie sich ernstgenommen.
Liebe Pia, ich freue mich sehr, dass die Wahl der Jury für den ALISA-Preis 2012 auf Dich gefallen ist. Damit bist Du auch die erste Preisträgerin und das ist etwas ganz Besonderes. Ich gratuliere Dir ganz herzlich und bin zugleich dankbar, dass ich Dich kennenlernen und ein Stück Deines Lebensweges begleiten durfte.

 

->> Laudatio für Pia Müller von Ursula Hartmann

->> Dankesworte von Pia Müller

->> Fotos von der Preisverleihung

->> Urkunde